INTERVIEW MIT MARCO VETTERLI

Wir durften die Schweizer BMX Flatland Stimme Marco Vetterli an einem herrlichen Frühlingstag in Zürich zum Interview treffen und einen Einblick in sein Leben bekommen.

Marco, stell dich doch kurz vor. Wer bist du und wie bist du zum BMX gekommen?
Mein Name ist Marco Vetterli, ich bin inzwischen 34 Jahre alt und fahre seit 20 Jahren BMX Flatland. Ursprünglich bin ich Skateboard gefahren, das war damals total im Trend und alle in unserem Dorf haben das gemacht. Mit 14 Jahren war ich an einem Streetball Turnier. In der Pause wurde eine Flatland Show gezeigt, die mich sofort begeistert hat. Ich dachte nur „Wow, das ist mein Ding, dass muss ich unbedingt auch ausprobieren!“. Ein richtiges Flatland-BMX zu kaufen war dann aber doch zu teuer. Also habe ich meinem Kollegen ein Bike für 50.– Schweizer Franken abgekauft – natürlich ohne Pegs, mit Stollenreifen und Hinterbremse. Nachdem ich selbst Pegs angeschraubt und die Hinterbremse entfernt hatte, habe ich mich an die ersten Flatlandtricks gewagt.

Der Wunsch nach einem richtigen Bike war aber sehr schnell sehr gross. Ich hatte dann zu einem speziellen Anlass Geld von meinen Grosseltern bekommen, dass ich eigentlich erst mit 18 Jahren hätte brauchen dürfen… Ich habe mir dann aber sofort (mit 14 Jahren) ein richtiges BMX gekauft, was definitiv eine gute Entscheidung war.

Hast du jemals an Contests mitgemacht?
Ja. Zwischen 2001 und 2005 war wohl meine intensivste BMX-Zeit. Ich habe von 2001 bis 2002 in Genf gelebt und war immer mit dem BMX unterwegs, da ich dort niemanden gekannt habe und mich so extrem auf mein Riding konzentrieren konnte. Durch das Fahren lernte ich dann ein paar Jungs kennen und war schliesslich auch mit ihnen an Contests in Frankreich, Holland, Deutschland usw. unterwegs.

Ich war an den Contests immer eher „mittelgut“. Mir war es auch nie ganz wichtig, bei Contests weit nach vorne zu kommen. Nach ein paar Jahren habe ich damit auch wieder aufgehört. Ich fahre hauptsächlich aus Spass und nicht um mich mit anderen zu messen, dieser „Leistungsdruck“ ist nicht so meins. Mittlerweile könnte ich mit dem Contest-Niveau ohnehin nicht mehr mithalten, darum bin ich jetzt eben Speaker (lacht).

Wenn wir schon beim Moderieren sind, du bist seit Jahren die Stimme von BMX Flatland an Contests in der Schweiz. Wie bist du dazu gekommen?
Ich war 2007 an den Bike Days als Fahrer dabei. Der Flatlander Chris Böhm hat damals die Moderation vom Contest übernommen und bat mich, bei seinem Run zu moderieren. Ich war sofort Feuer und Flamme dafür und habe dann gleich den ganzen Contest moderiert. Im Jahr darauf wurde ich dann direkt angefragt, ob ich nicht wieder die Moderation übernehmen wolle. Seit dem Moment bin ich jedes Jahr als Speaker an den Bike Days. Also an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Chris Böhm (lacht).

Also ein richtiges Naturtalent.
Ich habe definitiv schon immer viel geredet und gerne Sachen moderiert. Radiomoderator war früher mein Traumberuf. Als ich als kleines Kind für mich gespielt hatte, habe ich das Ganze sozusagen immer moderiert.

Sehr süss. Was gefällt dir denn am Moderieren so sehr?
Dem Publikum etwas näher zu bringen was einem selbst sehr am Herzen liegt. BMX Flatland ist sozusagen mein Zuhause. Ich kenne die Jungs, die ganzen Tricks, die Entwicklung des Sports und fahre selbst auch. Dieses Wissen und diese Leidenschaft einem Publikum zu vermitteln, das vielleicht keine Ahnung von BMX Flatland hat, ist für mich etwas vom schönsten das es gibt.

Ich moderiere auch andere Sachen gerne, denke aber, dass ich beim Flatland am besten aufgehoben bin.

Am freestyle.ch habe ich beispielsweise auch schon den FMX Teil moderiert. Das hat auch extrem Spass gemacht und ich bewundere die Leistung der Fahrer sehr. Allerdings kenne ich mich auf diesem Gebiet nicht so sehr aus und musste mich erstmal in das Ganze reinlesen. Ich denke es macht einen grossen Unterschied ob man sich in ein Thema reinlesen muss oder ob man seit Jahren mit Herz und Seele dabei ist und dementsprechend auch alles darüber weiss.

Also kann man sagen die Flatland Community ist in gewisser Weise auch eine kleine Familie.
Ja das kann man meiner Ansicht nach so sagen. Ich war viel auf Reisen und habe dabei immer wieder andere Fahrer kennengelernt und Zeit mit ihnen verbracht. Sobald klar ist, dass man auch ein Flatlander ist, gehört man zu dieser Familie dazu. Solche Erlebnisse kann ich dann auch in meine Moderation einfliessen lassen.
Meiner Meinung nach hat sich dieses Gemeinschaftsgefühl in den letzten 20 Jahren nicht gross verändert, wobei einige Fahrer das vielleicht ein bisschen anders sehen als ich.

Eine dieser Begegnungen war Oliver Müller, der den Flatland Contest an den Bike Days organisiert, richtig?
Ja genau. Oli habe ich etwa 1998 auf der Landiwiese in Zürich kennengelernt, dass war damals der Place to be. Seither ist er ein guter Freund und mein BMX-Buddy, jedenfalls fahre ich mit ihm am meisten. Die Organisation des Contests an den Bike Days machen wir teilweise auch gemeinsam. Er hat mehr mit den Fahrern zu tun als ich, aber die Regeln, Zeitabläufe und das Judging koordinieren wir gemeinsam. Offiziell ist er aber der Organisator und ich der Speaker.

Was bedeutet BMX Flatland für dich?
Früher war’s ein Lifestyle. Bis ca. 2005 war es wirklich mein Lebensstil, ich habe mich darüber definiert. Wenn mich jemand fragte wer ich bin und was ich mache, sagte ich „Ich bin Marco, ich bin Flatland Fahrer“.

Heute ist es leider „nur“ noch mein wichtigstes Hobby. Ich fahre immer noch mit gleich viel Freude und Begeisterung wie früher und verfolge auch die Szene mit derselben Begeisterung. Aber durch Job, Beziehung und Freunde hat Flatland nicht mehr ganz den gleichen Stellenwert wie früher. Es gehört immer noch zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben, ist aber nicht mehr DAS wichtigste. Der beste Ausgleich zu meinem Alltag, ein bisschen Freiheit sozusagen.

Wenn mich jemand fragt was ich denn so mache sage ich allerdings auch heute noch: Flatland.

Hauptberuflich bist du aber Lehrer. Wie bist du dazu gekommen?
Zuerst habe ich lange im Marketing und Eventmanagement gearbeitet, das wurde mir aber etwas zu oberflächlich. Es ist zwar ein sehr spannender Beruf, war aber nicht wirklich meine Welt mit den ganzen Afterwork Apéros, dem Networking und dem mehr Schein als Sein.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich wieder zurück zu dem soll, was ich ursprünglich gelernt habe (kaufmännischer Angestellter in eine Versicherung) und dort Geld verdienen ohne mich wirklich für den Job zu interessieren, oder etwas Neues machen hinter dem ich stehen kann, das sinnvoll ist und mit dem ich der Welt etwas Gutes tun kann, wenn man es so nennen will (lacht).

Eines Tages meinte meine Freundin, wieso denn nicht Lehrer? Nach einiger Überlegung und Gesprächen mit befreundeten Lehrern dachte ich, doch, dass passt zu mir. So habe ich mit 30 Jahren nochmals die Schulbank gedrückt und habe an der pädagogischen Hochschule drei Jahre studiert. Seit August 2016 bin ich nun Lehrer und sehr zufrieden damit.

Was sagst du zum Klischee, dass Lehrer wahnsinnig viel Freizeit haben?
Das stimmt aus meiner Sicht nicht. Das behaupten einfach die Leute, die keine Ahnung davon haben. Klar, wir haben 13 Wochen sogenannte unterrichtsfreie Zeit. In dieser Zeit müssen wir aber den Schulstoff, Prüfungen, Elterngespräche etc. vorbereiten und vor allem unsere Überstunden kompensieren. Ich persönlich arbeite ca. einen Drittel oder die Hälfte der Schulferien um mich vorzubereiten. Momentan sind meine Arbeitstage so 11-12 Stunden lang, wobei das sicherlich mit zunehmender Erfahrung auch wieder abnehmen wird.

Was unterrichtest du denn genau?
Ich bin Klassenlehrer (4.-6. Klasse) an einer Primarschule. Das heisst, ich unterrichte Mathematik, Deutsch, Englisch, Französisch, Werkunterricht, Sport – eigentlich alles bis auf Zeichnen und Schwimmen. Das ist extrem spannend, weil du natürlich nicht alles aus dem Stegreif beherrschst und entsprechend recherchieren muss. Beispielsweise die ganze deutsche Grammatik oder die ganzen Naturphänomene. So lernst du auch als Lehrer wieder extrem viel neu, was ich extrem cool finde.

Klingt spannend. Zurück zum BMX. Was ist dein Lieblingsevent?
Ganz klar die Bike Days. Das ist für mich jedes Jahr DAS Highlight.
Solothurn ist ein sehr schönes Städtchen und die Organisation ist hervorragend. Ich bin ein ziemlich organisierter Mensch, daher nerve ich mich immer, wenn etwas eben nicht organisiert ist. Das ist bei manchen BMX oder Flatland Contests leider der Fall. Nach mittlerweile 10 Jahren hat man natürlich auch eine gewisse Routine, jeder weiss was er zu tun hat. Dadurch empfinde ich es auch nicht wirklich als arbeiten.

Du triffst dort immer wieder tolle Menschen. Nicht nur die Fahrer, sondern auch die Organisatoren, die Helfer, Speaker der anderen Disziplinen, etc. Wenn ich übers Gelände laufe, treffe ich alle paar Meter jemanden mit dem ich plaudern kann. Es ist eine richtige Velo-Familie entstanden, eben nicht nur die Flatland-Familie, sondern Menschen aus allen Disziplinen und Aufgabenbereichen.

Reist du privat noch an andere Events, auch mal im Ausland?
Ehrlich gesagt (leider) seit langem nicht mehr. Während dem Studium hatte ich halt zu wenig Geld dafür und jetzt als Lehrer fehlt mir meist die Zeit. Oftmals bin ich auch an einem Samstag am Arbeiten und wenn ich frei habe, verbringe ich die Zeit gerne mit meiner Freundin oder meinen Kollegen.

Ich vermisse den Lifestyle aber schon; mit ein paar Jungs am Wochenende wegfahren, in einem schäbigen Hostel übernachten, Flatland fahren und einfach zufrieden damit sein.

Was kannst du uns über die Swiss Flatland BMX Crew erzählen? Wer seid ihr, was macht ihr?
(lacht) Eine Crew in dem Sinne sind wir nicht. Dafür sind wir zu wenige. Du sprichst aber sicherlich auf die Jungs aus den Videos* an. Wir gehören mittlerweile zu den alten Hasen in der Flatland Szene. Die Videos drehte einer meiner Flatland Kollegen, Steven Blatter. Er selbst fährt inzwischen nicht mehr viel, ist selbstständiger Filmproduzent und macht unter anderem Filme fürs SRF. Ab und zu fahren wir aber noch gemeinsam. Zur „Crew“ gehören auch Oliver Müller, Andreas Walter, Adrian Badertscher und Didier Genet.

In der Schweiz bzw. in Zürich gibt es noch andere Fahrer, beispielsweise Dan Henning, Billy Whitfield und Joël Beier. Die fahren alle viel öfter als ich. Ausserhalb von Zürich kenne ich wahrscheinlich nicht mehr alle Fahrer.

Wie präsent ist Flatland noch in deinem Leben?
Ich fahre so 1-2 Mal pro Woche. Es vergeht aber kein Tag, in dem der Sport nicht präsent ist in meinem Leben. Ich informiere mich jeden Tag, was es Neues gibt, schaue mir Videos von anderen Fahrern an etc.

Betreibst du noch andere Sportarten?
Vor Kurzem habe ich Mountainbike für mich entdeckt. Das lässt sich auch gut mit anderen Fahrern zusammen machen. Ausserdem mache ich mir beim Flatland schon mehr Druck um mich weiterzuentwickeln und neue Tricks zu lernen, beim Mountainbike überhaupt nicht, da geht’s nur um den Spass; einfach Trails fahren oder Touren machen.

Irgendwelche Dirtjump Ambitionen?
Nein definitiv nicht. Die grossen Sprünge sind gar nichts für mich, musste ich feststellen…

Also lieber beim Flatland weiterentwickeln?
Auf jeden Fall. Ohne Weiterentwicklung würde ich wahrscheinlich nicht mehr fahren. Immer nur das Gleiche machen wäre mir zu monoton. Es gibt in dem Sport wohl niemanden, der nicht neue Tricks lernen will. Es gibt kein schöneres Gefühl als einen neuen Trick das erste Mal zu stehen, das kann dir vermutlich jeder Fahrer bestätigen.

Was würdest du im BMX Flatland als schwersten Trick bezeichnen?
Als Zuschauer würde ich aus aktuellem Anlass den Banger Trick, den Matthias Dandois an den Bike Days gezeigt hat, nennen. Den hat er glaube ich „Suicide Bodyvarial to halfpacker“ oder so ähnlich genannt.

Der Sport ist aber so individuell und originell, dass das schwer zu sagen ist. Auch wenn du selbst fährst, siehst du die Schwierigkeit hinter den anderen Tricks nicht immer. Die Zuschauer denken beispielsweise meiste, dass schnelle Spinning-Tricks am schwersten sind, dabei sind Jump-, Flip- oder Rolltricks oft schwerer.

Ich persönlich bin momentan dabei, Halfpacker-Variationen zu trainieren (das ist, einfach gesagt, wenn du das BMX hinter deinem Rücken hältst und auf dem Vorderrad fährst). Ich finde das Feeling bei diesem Trick enorm schön. So richtig sitzt noch nicht alles, aber das kommt noch.

Gibt es jemanden der dich besonders inspiriert?
Das ist schwer zu sagen. Früher sicherlich mehr als heute. Früher blickte ich oft zu den älteren und erfahrenen Ridern auf.

Martti Kuoppa hat mich immer sehr beeindruckt. Er fährt immer noch, hat sehr viele schwierige eigene Tricks kreiert und hat einen extrem stylischen Fahrstil. Auch die Kleider die er damals getragen hat, seine BMX-Räder oder seine Videos, welche immer mit Hip-Hop Sound unterlegt waren haben mich fasziniert.

Heutzutage gibt es natürlich auch Fahrer die ich interessant finde, auch die etwas älteren Fahrer die schon lange dabei sind oder inzwischen Judges sind. Beeindruckend finde ich beispielsweise Viki Gómez, der bereits extrem lange an der Spitze ist, Matthias Dandois, ein Ausnahmetalent und wirklich beeindruckend in meinen Augen, Alex Jumelin, der sehr viele originelle Sachen zeigt, Jean-William Prévost der extrem stylisch ist, usw. Ich lasse mich aber von allen ein bisschen inspirieren, nicht von einem ganz speziell. Ich schaue mir gerne Videos der Fahrer an, die eine gewisse Stimmung vermitteln. Also nicht unbedingt Contest Videos, die finde ich dann eher langweilig. Aber Ferien- und Roadtrip-Videos oder Ähnliches mit einem geilen Soundtrack finde ich super. Nicht zuletzt inspiriert mich auch Musik beim Fahren, vorzugsweise Hiphop aus der golden Era!

Wie viele Bikes hast du zu Hause?
7 (lacht).

Nur BMX Räder oder verschiedene?
Nein nein, BMX habe ich nur eins. Mehr lohnt sich auch nicht, die Bikes sind so individuell abgestimmt mit Lenker, Pedalen, etc. da braucht man nicht mehrere.

Ich habe aber noch ein schnelles Alltagsrennvelo, einen Oldschool Cityflitzer, ein Singlespeed, ein Fixie, ein altes Mountainbike, ein schönes Fully und eben mein BMX.

Was kannst du uns über die Entwicklung der Flatland Szene erzählen?
In der Schweiz hat sich für mich persönlich in den letzten 20 Jahren kaum etwas verändert. Es ist leider immer noch ein unbekannter Sport, man muss den Leuten immer noch erklären worum es geht und dass man eben keine Treppen runterfährt oder über Dirtjumps springt, sondern auf einer ebenen Fläche fährt ohne Rampen oder Ähnliches.

Ich glaube generell nicht, dass es weltweit mehr Fahrer gibt als früher oder der Sport viel bekannter wurde, ausser vielleicht die Szene in Japan. Dort wird der Sport aber auch sehr gefördert.

Was sich dafür umso mehr entwickelt hat, sind die Tricks und die Fahrer. Es gibt wenige Sportarten die sich so schnell und krass entwickeln wie Flatland wenn’s um Tricks geht. Vor 10 Jahren sah Flatland (z. B. an Contests) noch anders aus als heute, geschweige denn vor 20 Jahren. Die Tricks der Pros sind enorm komplex und schwer nachvollziehbar geworden. Und das obwohl die Sportart sehr klein ist, wenig Aufmerksamkeit von der breiten Masse hat und auch nicht von vielen betrieben wird.

Auch die Anfänger heutzutage sind krass. Früher hat man sich ein Buch gekauft und daraus die Basics gelernt und sich dann vorsichtig weiterentwickelt. Heute legen sie gleich mit den ganz schweren Tricks los.

Was kannst du uns über den Flatland Nachwuchs erzählen?
Einige Fahrer haben Angst um die Zukunft von Flatland, weil zu wenig für den Nachwuchs getan wird. Es gibt wahrscheinlich mehr Fahrer die seit 10/15 Jahren fahren als solche die neu damit angefangen haben.

Es gibt vereinzelte Fahrer, die sich für die Nachwuchsförderung einsetzten, wie beispielsweise Alex Jumelin. Von solchen Leuten braucht es definitiv mehr. In der Schweiz ist Dan Henning sehr motiviert den Nachwuchs zu fördern. Er gibt nach den Shows oder Contests immer Tipps, lässt die Kids auf sein Bike und gibt Autogramme.

Ich bin gespannt was die Zukunft bringt.

Wie kann die Szene deiner Meinung nach gefördert werden?
Das ist schwer zu sagen. Einerseits müsste man den Sport sicherlich mehr zeigen oder Kindern/Jugendlichen Workshops anbieten. Die gibt es zwar bereits aber eben zu wenig. Das liegt auch daran, dass es nur wenige Menschen gibt die den Sport überhaupt beherrschen und solche Workshops anbieten könnten.

Man versucht ja immer wieder Flatland einem breiteren Publikum zu zeigen, beispielsweise durch eine Teilnahme bei „Das Supertalent“, aber wirklich bekannter wurde es eben doch nicht. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Kids heutzutage zu wenig Geduld haben. Es ist ein sehr mühsamer und intensiver Weg bis man mal gewisse Basics beherrscht und Freude am Fahren bekommt. Man muss lange dranbleiben und viel Frust in Kauf nehmen.

Die Kids heute haben aber auch eine enorme Auswahl an Freizeitbeschäftigungen und Sportarten die einfach zugänglich sind, da geht Flatland wahrscheinlich unter.

Eine fertige Lösung für das Problem habe ich jetzt auch nicht, aber die Sportart zu zeigen, darüber zu reden und den Nachwuchs zu fördern ist sicherlich ein Anfang.

Du als Lehrer bist da ja an der Quelle. Setzt du dich an deiner Schule für BMX Flatland ein?
In meiner Klasse gibt es drei Jungs, die BMX fahren. Sie haben von mir Pegs bekommen und ich habe ihnen auch schon ein paar Tricks gezeigt. Damit verändere ich zwar nicht die Welt aber immerhin mache ich etwas.

Wie sportlich ist deine Familie unterwegs?
Meine Schwester Aline ist definitiv eine Freestylerin und Sportskanone. Wir haben das selbe Tattoo „ride on“. Sie ist auf der ganzen Welt unterwegs am Surfen, betreibt aber auch sonst viel Sport. Darüber schreibt sie übrigens auch in ihrem Blog „Nomad Divas“.

Worauf bist du in deiner Karriere am meisten stolz?
Schwierige Frage. Das habe ich mir so eigentlich noch nie überlegt.

In Bezug auf BMX Flatland würde ich sagen am meisten stolz bin ich, dass ich es jetzt schon so lange durchziehe und immer noch so viel Freude daran habe. Es kann manchmal ein einsamer und frustrierender Sport sein, wenn man stundenlang erfolglos seine Runden auf seinem Spot dreht. Da muss man sich ohne Hilfe von aussen selber pushen können, um dranzubleiben.

Wenn’s um mich als Speaker geht, dann freut es mich immer sehr, wenn ich das Publikum so richtig begeistern kann. Als Flatland Fahrer bekommt man eher wenig zurück, da bleibt den meisten nur der Applaus des Publikums. Wenn du als Speaker die Verbindung zwischen Fahrer und Publikum aufbauen kannst und das Publikum zum Jubeln bringst, haben auch die Fahrer Spass dran. Wenn alle happy sind, freut mich das immer sehr und man hat so als Speaker einen grossen Teil dazu beigetragen, dass der Contest oder die Show ein Erfolg wurde. Das macht mich schon ein bisschen stolz.

Wo siehst du dich in 5-10 Jahren?
Sicherlich noch als Lehrer, vielleicht mit Familie, hoffentlich noch am Flatland fahren… Ich denke mein jetziges Leben wird sich in den nächsten Jahren nicht grundlegend verändern, schliesslich bin ich ja keine 16 mehr…

Ich wünsche mir momentan auch gar keine grossen Veränderungen. Ich bin sehr zufrieden mit dem was ich bis jetzt aufgebaut habe, ich habe eine super Freundin, tolle Kollegen, einen geilen Job und ein geiles Hobby. Ein bisschen mehr freie Zeit wäre aber sehr schön!

Herzlichen Dank für die Zeit Marco! Wir fanden es wie immer toll, dir beim Reden zuzuhören und umso spannender einmal etwas mehr über dich zu erfahren. Man sieht sich an den Bike Days!

 

 

Steckbrief
Name: Marco Vetterli
Alter: 34 Jahre
Herkunft: Zürich, Schweiz
Wohnort: Zürich, Schweiz
Beruf: Lehrer

*Die erwähnten Videos der Swiss Flatland BMX Crew findest du unter: www.prog-pics.com

Von | 2017-06-12T20:29:21+00:00 Juni 12th, 2017|Interview|0 Kommentare

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